Veröffentlicht: 8-Jun-26
APSCo News

Hiring Fraud 2026

Hiring Fraud 2026: Was aus UK auf uns zukommt – und warum wir jetzt handeln müssen

 

Wer mich kennt, weiß: Ich beobachte sehr genau, was in den Recruiting-Märkten in UK und USA passiert. Nicht aus nostalgischer Sehnsucht nach angelsächsischer Perfektion, sondern weil das, was dort heute Trend ist, bei uns in Deutschland morgen Realität wird. Einer dieser Trends ist besonders beunruhigend. Und er hat einen Namen: Hiring Fraud.

 

APSCo UK hat dazu kürzlich einen umfassenden Artikel veröffentlicht – basierend auf dem Hiring Fraud Guide 2.0 des Better Hiring Institute, präsentiert von Keith Rosser beim APSCo UK Legal & Compliance Forum. Wir haben diesen Beitrag für APSCo Deutschland übersetzt und aufbereitet, weil die Thematik für unsere Mitglieder und die gesamte deutschsprachige Personaldienstleistungsbranche hochrelevant ist.

 

Kurz gesagt: Bewerbungsbetrug ist vom Randphänomen zu einem systematischen, schnell wachsenden Risiko geworden und betrifft jeden Schritt im Recruiting-Prozess.

 

Die Zahlen aus UK sprechen eine deutliche Sprache

 

Für alle, die denken, das sei ein britisches Problem:

    • +237 % Anstieg bei Job-Scams, gemeldet von Lloyds Banking Group (2023)
    • Über 21.700 gefälschte Bewerbungen wurden 2024 registriert – ein Plus von 10 % gegenüber dem Vorjahr
    • 33 % aller Insider-Threat-Fälle im Jahr 2025 gingen auf gefälschte Bewerbungen zurück

 

Das britische Home Office und die National Crime Agency beschäftigen sich inzwischen intensiv mit dem Thema – weil Hiring Fraud längst mit organisierter Kriminalität, Cyberkriminalität und moderner Sklaverei verknüpft ist.

 

Warum Personaldienstleister im Fadenkreuz stehen

 

Als Personalvermittler nehmen wir eine besondere Vertrauensstellung ein. Wir sind die Brücke zwischen Kandidat:innen und Unternehmen. Genau das macht uns zu einem attraktiven Ziel für Betrüger, die suchen:

    • Zugang zu sensiblen Kundensystemen und -daten
    • Hochwertiger Positionen mit wenig Kontrolle
    • Komplexe Lieferketten, die sich leicht ausnutzen lassen
    • Schnelle Vermittlungszyklen, bei denen die Prüfung oft leidet

 

Betrugsprävention ist keine HR-Pflichtübung mehr. Sie ist eine Kernkompetenz im Recruiting.

 

Die 10 häufigsten Formen von Hiring Fraud – ein Überblick

 

Ich spare mir die Langversion – die gibt es im Original-Artikel. Hier sind die wichtigsten Betrugsformen, die wir alle kennen sollten:

  1. Referenz-Betrug – Professionelle "Referenz-Fabriken" verkaufen gefälschte Arbeitszeugnisse inklusive überzeugender Kontaktdaten. Klingt absurd? Gibt es wirklich.
  2. Qualifikationsbetrug – Falsche Abschlüsse, gefälschte Zertifikate, hochprofessionell aufgemacht. Ein britischer "Arzt" praktizierte über 20 Jahre mit gefälschten Papieren.
  3. Dokumenten- und Identitätsbetrug – KI hat die Einstiegshürde für überzeugende Fälschungen drastisch gesenkt. Besonders betroffen: Bau, Gesundheit, Logistik, regulierte Berufe.
  4. Lebenslauf-Betrug – Aufgeblähte Jobtitel, erfundene Stellen, versteckte Lücken. Klassiker. Unterschätzt.
  5. Recruiting-Scams gegen Kandidat:innen – Betrüger missbrauchen eure Markennamen für Fake-Stellenanzeigen. Kandidat:innen werden um Vorauszahlungen gebeten. Euer Ruf leidet.
  6. KI-gestützter Betrug – KI-generierte CVs, Echtzeit-KI-Hilfe im Interview, Deepfakes. Die Grenze zwischen Mensch und Simulation verschwimmt. 
  7. Doppelbeschäftigung – Remote-Arbeit hat das möglich gemacht. Zwei Vollzeitstellen, ein Mensch. Datenleck inklusive.
  8. Aufenthalts- und Arbeitsrechtsbetrug – Mit steigender Strafverfolgung wächst das Compliance-Risiko erheblich.
  9. Lieferkettenrisiken – Unklare Standards, nicht-konforme Zwischenhändler, inkonsistente Prüfprozesse. Besonders relevant im deutschen Zeitarbeitsmarkt.
  10. Gefälschte IT-Fachkräfte / geopolitisches Risiko – Staatlich unterstützte Akteure posieren als Remote-IT-Expert:innen, um Zugang zu Unternehmenssystemen zu erhalten. Kein Science-Fiction.
 
Was bedeutet das für uns in Deutschland?

 

Wir reden hier nicht über ein abstraktes britisches Compliance-Thema. Der deutsche Personaldienstleistungsmarkt – mit seiner komplexen Zeitarbeits-Regulatorik, den vielen Lieferkettenstufen und dem wachsenden Remote-Anteil – ist mindestens genauso exponiert.

 

Was APSCo-Deutschland-Mitglieder jetzt tun sollten:

    • Screening stärken – Mehrschichtige Verifikation: Identität, Beschäftigungshistorie, Qualifikationen. Technologie gezielt einsetzen.
    • Recruiter schulen – Betrugsmerkmale erkennen, KI-gestützte Risiken verstehen. Bewusstsein ist der erste Schutzwall.
    • Standards in der Lieferkette vereinheitlichen – Einheitliche Prüfstandards bei allen Dienstleistern. Regelmäßige Audits.
    • Auf Branchenkollaboration setzen – Vernetzung über APSCo Deutschland, Austausch mit dem Better Hiring Institute. Gemeinsam sind wir informierter.
 
Mein Fazit: Betrüger innovieren. Wir auch.

 

Hiring Fraud ist keine Compliance-Fußnote. Es ist ein strategisches Geschäftsrisiko und gleichzeitig eine Chance. Wer sichere, transparente und vertrauenswürdige Recruiting-Prozesse bietet, differenziert sich im Markt. Wer wegschaut, riskiert Reputation, Kundenverlust und rechtliche Konsequenzen.

Die Frage ist nicht mehr ob Betrug dein Unternehmen trifft – sondern wie gut du vorbereitet bist, wenn es passiert.

 

 

APSCo-Mitglieder können rechtliche Fragen zum Thema Hiring Fraud aber auch alle anderen Themen rund um Recruiting direkt an unser Legal Helpdesk richten.

 


Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von APSCo UK, verfasst auf Grundlage des Hiring Fraud Guide 2.0 des Better Hiring Institute. Wir danken APSCo UK für die Aufbereitung dieses wichtigen Themas.

 

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